Alte Sitten und Gebräuche
Zu der Chronik eines dörflichen Gemeinwesens gehört auch ein Hinweis, ob und ggf. inwieweit bäuerliche Sitten und Gewohnheiten oder Glauben und Aberglauben unserer Vorfahren sich in der Gemeinde erhalten haben. Alles, was heute über das bäuerliche Brauchtum in unserer engeren Heimat bekannt ist, stützt sich auf die dankenswerten Untersuchungen von Werner Flechsig und die Erhebungen, die Peter Wolfersdorf nach Beendigung des zweiten Weltkrieges durchgeführt hat (Braunschweigische Heimat 1965, S.23). Der Wandel in der wirtschaftlichen und sozialen Struktur eines Dorfes, insbesondere die Verstädterung des dörflichen Lebens, die starke Zunahme der Bevölkerung nach Beendigung des zweiten Weltkrieges zunächst durch Evakuierte und Heimatvertriebene und später durch ehemalige Stadtbewohner, die ihren Wohnsitz auf dem Lande nahmen, die Zunahme und Verdichtung des Verkehrs oder die ständige Beeinflussung durch die modernen Kommunikationsmittel haben dazu geführt, daß das heimatliche Brauchtum in stadtnahen Gemeinden immer mehr in Vergessenheit geraten ist.
Das gilt leider auch für die Gemeinde Hondelage. Die vielfältigen Bräuche bei Bestellung und Ernte sind in den letzten Jahren der Motorisierung und Technisierung zum Opfer gefallen. Dasselbe gilt für das Fahneniagen, das für einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, als Schützenvereine noch verboten waren, noch einmal eine gewisse Blütezeit erlebte und im Mittelpunkt der Arbeit der jungen Gesellschaft" stand. Auch das Peitschenknallen und Kettengerassel, wenn der "Busseklas" zur Weihnachtszeit in den Abendstunden durchs Dorf fuhr, oder das Verbot bestimmter Tätigkeiten während der "Zwölften", d. h. der Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag (6. Januar) gehören wie das "Ummesingen" zu Sylvester oder am Fastnachtsdienstag der Vergangenheit an.
Der schöne Brauch, zum Pfingstfest die Haustüren mit frischem Maiengrün zu schmücken oder um die Mitternachtsstunde vor dem Osterfest das Osterwasser mit seinen geheimnisvollen Möglichkeiten zu holen, sind nur noch den ältesten Einwohnern bekannt. Selbst die Osterfeuer, mit denen die Wiedererweckung der Natur nach Beendigung der Winterzeit begrüßt wurde, verflachten nach Beendigung des zweiten Weltkrieges immer mehr und sind seit einigen Jahren ganz eingestellt. Auch die Bedeutung des Hagelfeiertages (Donnerstag nach Fronleichnam), in alten Zeiten für den Bauern vielleicht der höchste Festtag, über den schon das Erbregister des Jahres 1605 berichtet, ist in Vergessenheit geraten. Die "Junge Gesellschaft", einst weitgehend Träger und Wahrer bäuerlichen Brauchtums, besteht seitdem Jahre 1960 nicht mehr.
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