Das neue Hondelage
Wie überall im Umland der Stadt Braunschweig wurde auch das Ortsbild in Hondelage nach der Währungsreform stark verändert. Im Gegensatz zu vergleichbaren Gemeinden setzte sich diese Entwicklung hier jedoch verhältnismäßig langsam durch. Erst vom Beginn der 60er Jahre an wurde die Neugestaltung konsequent und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten durchgeführt, so daß der Rückstand schnell aufgeholt werden konnte. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Braunschweig im Jahre 1974 wurde das früher nahezu ausschließlich auf die Landwirtschaft ausgerichtete Dorf zu einem Ort mit stark gewerblichem Einschlag und gleichzeitig zu einer beliebten Wohngemeinde für die in den benachbarten Großstädten Braunschweig und Wolfsburg beschäftigten Personengruppen.
Zwar war die Änderung durch die Notwendigkeit begünstigt, daß zahlreiche Unternehmungen der gewerblichen Wirtschaft ihre Betriebe oder ihre Betriebsstätten in die Umgebung der Stadt Braunschweig verlagern mußten, und auch die große Zahl der Heimatvertriebenen war an der Bewegung beteiligt. In erster Linie war jedoch der Umstand entscheidend, daß es gelungen ist, Hondelage durch eine Verbesserung der Standortbedingungen und der kommunalen Infrastruktur, durch den Ausweis von erschlossenem Gelände für gewerbliche, genossenschaftliche oder private Bauten und schließlich durch zahlreiche Einrichtungen zur Daseinsvorsorge und Freizeitgestaltung attraktiv zu machen.
Bei ihren Bemühungen fand die Gemeinde bei dem Verwaltungspräsidium und dem Landkreis Braunschweig stets eine verständnisvolle und wirksame Hilfe. Das galt einmal unmittelbar bei dem Ausbau des Straßennetzes im Hondelager Raum, zum anderen aber auch mittelbar bei den zahlreichen Maßnahmen, die durch die Eigeninitiative der Gemeinde und ihrer Organe auf den verschiedensten Gebieten geplant und durchgeführt wurden.
Bereits im Jahre 1950 wurde die Versorgung mit Trinkwasser für das alte Dorf und die Neubaugebiete in Verbindung mit dem unter Beteiligung der Gemeinde gegründeten Wasserverband Weddel/Lehre, der in der Hondelager Feldmark ein Wasserwerk errichtete, sichergestellt. In den Jahren 1960 bis 1964 wurde eine Schmutzwasserleitung für den gesamten Ortsbereich gebaut, und seit dem Jahre 1960 beteiligte sich Hondelage auch an dem Müllzweckverband Weddel/Lehre. Schließlich wurde der Ort im Jahre 1968 an die Erdgasleitung von Hannover-Sarstedt angeschlossen.
Der Ausbau des Ortsstraßennetzes wurde in Abschnitten lückenlos durchgeführt und sämtliche Straßen mit Bürgersteigen, einer Asphaltdecke und einer modernen Beleuchtung versehen. Im Jahre 1966 wurde auch der Beekgraben an der Lindenstraße zur Anlegung eines Fußweges verrohrt. Die Verkehrsverbindungen wurden auf Antrag der Gemeinde durch eine Einbeziehung des Ortes in die Bundesbahnbusstrecke Braunschweig-Wolfsburg erheblich verbessert. Dabei wurden im Ort vier Haltestellen eingerichtet. Im Jahre 1968 wurden an diesen Haltestellen von der Gemeinde besondere Wartehäuschen aufgestellt.
In früheren Zeiten, und das galt noch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, konnte man in Hondelage jeweils nur einige wenige Gewerbetreibende, insbesondere Handwerker, zählen. Heute gibt es in der Gemeinde zwar kein industrielles Großunternehmen, aber eine gesunde Mischung von Mittel und Kleinbetrieben in großer Zahl. Insgesamt sind heute 83 Betriebe aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungsgewerbe sowie 28 Handwerksbetriebe vorhanden. Auch Arzt, Zahnarzt und Apotheke befinden sich im Ort.
Die bereits nach der Jahrhundertwende begonnenen und während des ersten Weltkrieges fortgesetzten Versuchsbohrungen in der Feldmark wurden von den Braunschweigischen Kohlenbegwerken in den 60 er Jahren wieder aufgenommene. Von einem Abbau der Ölschiefervorkommen insbesondere im Ostteil der Gemeindeflur ist jedoch bisher abgesehen.
In der Entwicklung des Dorfes nach der Währungsreform im Jahre 1948 spielte die Neubautätigkeit, für die Gemeinde voll erschlossenes Gelände bereitstellte, eine besondere Rolle. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit wurde im Jahre 1956 der erste Flächennutzungsplan genehmigt, der in der Folgezeit den sich schnell verändernden Anforderungen angepaßt wurde. Aufgrund der Bestimmungen des neuen Bundesbaugesetzes wurde vom Gemeinderat 1966 ein neuer Flächennutzungsplan verabschiedet und von der Regierung noch im gleichen Jahr gebilligt. In langen, nicht immer leichten Verhandlungen mit den für eine Entscheidung zuständigen behördlichen Stellen hat die Gemeinde nachstehende Bebauungspläne aufgestellt und unter Beteiligung interessierter Bauträger auch durchgeführt:
1951 Hondelage I (Siedlerstellen am Schunterblick)
1954 Hondelage II (Siedlerstellen Hinter dem Berge)
1954 Hondelage III (Siedlerstellen an der Lindenstraße)
1962 Wilhelmshöhe
1962 In den Äckern I (Ahornweg, Ulmenweg, Birkenweg)
1962 Opperlegden 1 (Hagenriede)
1963 Im Dorfe (Gartenstraße, 1968 durch den Block Ecke Lindenstraße/Ackerweg erweitert)
1963 Hondelage IV (Breslauer Straße)
1964 Gewerbegebiet am Stadtweg
1964 im Schlage (Haake Beck)
1964 Altdorf (Einzelbauten am Mastbruch, an der Tränke und später Am Beek)
1966 Hondelage V (Königsberger Straße)
1967 In den Äckern II (Ostteil des Schulrings, Buchenweg, Ostteil des Pappelweges)
1968 Untere Acker I (Veilchenweg, Rosenweg, Asternweg, später 1970 mit Erweiterung Nelkenweg)
1968 Hinter dem Berge (Siedlung am Friedhof)
1968 Stadtweg Nord (Danziger Straße)
1969 Industrie und Gewerbebetrieb I (südlich der Autobahn, westlicher Teil)
1969 Industrie und Gewerbegebiet II (südlich der Autobahn, östlicher Teil)
1970 Südwest, Baugebiet der Nieders. Landgesellschaft hinter der Steinekuhle
1970 Untere Äcker II (Schulring westlicher Teil, Lilienweg, Am Sundern)
1971 Sydekum
1971 Opperlegden II (Wiesenweg, Wiesengrund)
1973 In den Äckern III (Pappelweg westlicher Teil)
Ein Vorschlag der Stadt Braunschweig, sich an einer Bebauung der Grenzflächen in der Feldmark Querum auch auf Hondelager Seite zu beteiligen, wurde im Jahre 1962 von der Gemeinde abgelehnt, da die finanziellen Aufwendungen damals nicht tragbar erschienen. Auch die Absicht, die Hauptstraße bis zur Mühle an beiden Seiten zu bebauen, ließ sich nicht verwirklichen. Dasselbe gilt für den Plan, an dem Autobahnparkplatz im Sundern ein achtgeschossiges Hochhaus Motel mit Tank und Raststätte zu errichten und gleichzeitig eine Behelfseinfahrt vorzusehen. Obwohl das Projekt finanziell gesichert und ein Bauträger gefunden war, und obwohl die Überlegungen die Unterstützung der beteiligten niedersächsischen Stellen gefunden hatten, lehnte die Gesellschaft für die Autobahnnebenbetriebe den Vorschlag ab, da sich ähnliche Anlagen in zumutbarer Entführung befanden.
Über die Hondelager Schule und ihre wechselnde Entwicklung nach Beendigung des zweiten Weltkrieges ist bereits im Abschnitt 9 der Chronik berichtet. Da die Erweiterung des alten Schulgebäudes selbst unter teilweiser Einbeziehung des Pfarrgartens keine Dauerlösung bot, bemühte sich die Gemeinde wiederholt um den Ankauf eines möglichst zentral gelegenen Geländes. Längere Zeit standen die im alten Dorfbereich gelegene Beekwiese und später Flächen an der Ecke Lindenstraße/Ackerweg bzw. hinter der Tränke, in der Nähe des heutigen Sportplatzes zur Diskussion. Im Jahre 1964 entschied man sich aber für einen Platz im Neubauviertel am Ackerweg und erwarb dort ein ca. 40.000 qm großes Gelände, auf dem neben einem Schulgebäude für eine zwei oder dreizügige Anstalt auch ein Kindergarten, eine Sporthalle und die Feuerwehr untergebracht werden sollten.
Für Größe und Einrichtung des neuen Gebäudes war die Frage von Bedeutung, daß sich Hondelage einem Schulzweckverband anschließen mußte. Nach langen Überlegungen und Verhandlungen entschloß man sich im Jahre 1972 wie auch die Nachbargemeinde Dibbesdorf , sich an dem Zweckverband zu beteiligen, der von den Gemeinden Volkmarode, Schapen, Weddel und der Stadt Braunschweig errichtet war. Volkmarode, wo inzwischen ein ausreichendes Gelände für den Bau einer zentralen Schule zur Verfügung stand, sollte dabei Mittelpunktschule werden. Dadurch wurden die Hondelager Schulpläne erheblich beschnitten. Seit dem Jahre 1961 werden die Schüler des 7. und 8., später auch des 9. Schuljahres und seit dem Jahre 1970 auch die Schüler der Klassen 5-8 bis zum Jahre 1972 als Gastschüler in Volkmarode unterrichtet, soweit sie nicht weiterführende Schulen in der Stadt Braunschweig besuchen. Bereits im Jahre 1958 war eine Gemeindebücherei eingerichtet, und im Jahre 1963 schloss sich Hondelage der Volkshochschule Campen an.
Gewisse Sorge bereitete lange Zeit die Einrichtung bzw. die Wiedereröffnung des Kindergartens, der im Winter 1948 geschlossen werden mußte. Da als Folge der Neubautätigkeit in großem Umfange gerade junge Ehepaare, bei denen zumeist beide Elternteile berufstätig waren, nach Hondelage gekommen waren, war die Frage einer Betreuung der Kinder besonders vordringlich. Um keine Zeit zu verlieren, hatte sich 1969 ein Verein Kindergarteninitiative gebildet, der zunächst einen Behelfskindergarten in der Form von Spielnachmittagen einrichtete. Einige ortsansässige Kindergärtnerinnen und mehrere junge Mütter übernahmen ehrenamtlich die Aufsicht während der Spielnachmittage. Im Jahre 1973 konnten die notwendigen Gebäude fertiggestellt und mehrere Kindergärtnerinnen hauptamtlich eingestellt werden. Da die Plätze nicht ausreichen, setzt der Verein Kindergarteninitiative seine bisherige Arbeit in dankenswerter Weise fort.
Hondelage hatte das Glück, daß sofort nach Beendigung des zweiten Weltkrieges einige Persönlichkeiten zur Verfügung standen, die sich sachkundig und ehrenamtlich um einen Neuaufbau des sportlichen Lebens in allen Altersgruppen der Gemeinde bemühten und durch ihr gutes Beispiel insbesondere die Jugend für die verschiedensten Sportarten interessierten. In erster Linie sind der langjährige Vorsitzende des Männerturnvereins Herr Heinrich Schaper, ferner das Ehepaar Dietrich (Leichtathletik) und die Herren Stams (Turnen) und Kühne (Fußball) zu nennen. Sie fanden interessierte Mitarbeiter und Nachfolger, so daß Können und Leistung der Hondelager Jugend auf sportlichem Gebiet heute noch über dem Durchschnitt liegen. Einige Zeit behalf man sich mit dem alten Sportplatz am Bahnhofsgebäude. Später dienten als Zwischenlösung notdürftig hergerichtete Plätze am Sydekum und in der sog. Steinekuhle, bis im Jahre 1952 ein Gelände an der Tränke von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden konnte, das später (1973) nach Norden und Osten erweitert wurde. Seitdem verfügt der Verein über ein ca. 20.000 qm großes Gelände mit Flutlichtanlage und einem Sportheim, das in ausreichendem Umfang Umkleide und Aufenthaltsräume enthält. Vom Frühjahr 1975 ab wird eine Sporthalle mit dem Ausmaß 24 x 46 m einen Sportbetrieb auch im Winter zulassen.
Seit dem Jahre 1963 bemüht sich die Gemeinde auch um die Altenbetreuung. Zunächst wurden sog. Kaffeenachmittage unter Mitwirkung von Sport und Gesangverein veranstaltet und von Zeit zu Zeit Ausflugsfahrten durchgeführt. Im Jahre 1971 wurde im Gebäude der alten Schule eine Altentagesstätte eingerichtet, in der regelmäßig Zusammenkünfte, oft mit Vorträgen oder einem Unterhaltungsprogramm, stattfinden. Das nach dem Abriß des alten Hirtenhauses an der Ecke Hauptstraße/Dammstraße gewonnene Gelände ist zu einem Ruheplatz im Grünen ausgebaut. Im Herbst 1966 stellte die Gemeinde schließlich Ackerland im Umfang von etwa 20.000 qm für Schrebergärten zur Verfügung. Einzäunung und Wasserversorgung wurden durch Eigenleistung sichergestellt.
oben