Das Dorf bis zum Ende des 2. Weltkrieges
Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, als die Ablösung der Hand und Spanndienste, die Aufhebung des Frucht und Fleischzehnten und schließlich die Separation und Verkoppelung zu einer weitreichenden Änderung der dörflichen Struktur und gleichzeitig zu einer Verbesserung der Situation der Landwirtschaft und jedes einzelnen Bauern geführt hatten, verlief das 20. Jahrhundert jedenfalls bis zum Ende des zweiten Weltkrieges für Hondelage verhältnismäßig ruhig und ohne große Ereignisse.
Die Protokolle der Gemeinderatssitzungen lassen erkennen, daß der Ort wahrend dieser Zeit noch ganz bäuerlich orientiert war. Neben den landbesitzenden Bauern, den Ackerleuten, den Halbspännern und den Kotsassen hatten die Anbauer eine gewisse Bedeutung gewonnen. Aber auch die übrigen Dorfbewohner, die Handwerker und sog. Häuslinge, die im Tagelohn in der Landwirtschaft oder der Staatsforst arbeiteten, und auch die wenigen Dorfbewohner, die als Arbeiter und Angestellte in der Stadt Braunschweig oder anderen Orten tätig waren, hatten zumeist Pachtland, das eine gewisse Viehhaltung gestattete. An gewerblichen Unternehmen gab es eine Mühle, zwei Gastwirtschaften, einige Kleinhandels- und mehrere Handwerksbetriebe.
Landwirtschaftliche Überschüsse wurden auf dem Wochenmarkt verkauft. In wachsendem Umfang wurden sog. Anbauverträge mit Konservenfabriken abgeschlossen, verschiedene Gemüse, insbesondere Spargel und die Zuckerrübe, gewannen als Feldfrucht eine besondere Bedeutung. Arzt und Apotheke befanden sich in dem etwa 5 km entfernten Ort Lehre. In der Verwaltung der Gemeinde überwogen Routinesachen wie Rechnungswesen mit der Beschlußfassung über die Kommunalsteuern, Wahlen für die verschiedenen Parlamente sowie die Fragen, die sich aus der Verpachtung des Blockhauses oder der Vermietung des Gemeindehauses ergaben. Eine größere Rolle spielten das Armenwesen sowie Angelegenheiten des Feuerschutzes und der Gesundheitsfürsorge.
Im Jahre 1898 war zur Abwendung einer Choleragefahr eine besondere Kommission gebildet, der sämtliche 9 Gemeinderatsmitglieder angehörten. Die Gemeinde war zu diesem Zweck in 9 Distrikte eingeteilt. Bereits im Jahre 1896 wurde ein Fernsprechanschluss für das Gemeindebüro vorgesehen, aber erst 1900 eingerichtet. Nach langen Beratungen wurde 1912 ein Vertrag mit dem Überlandwerk Braunschweig über den Anschluss des Dorfes an das elektrische Stromnetz abgeschlossen. Zu einer elektrischen Straßenbeleuchtung, die an sich bereits 1914 geplant war, kam es durch Kriegs und Nachkriegszeit allerdings erst im Jahre 1926. 11 Lampen wurden damals installiert.
Im Jahre 1902 schloss die Tiefbohrgesellschaft I.H. Sachse in Hannover mit sämtlichen Grundbesitzern der Gemeinde einen Vertrag, der ihr das ausschließliche Recht einräumte, nach Erdöl, Erdwachs, Petroleum und nutzbaren Mineralien zu bohren. Man schien sich der Sache sicher zu sein, denn in dem Vertrage waren bereits feste Beträge für jeden Barrel Öl und für jedes Bohrloch vorgesehen. Beim Ankauf von Grundstücken sollte ein Betrag von M 4000 für jeden Morgen, ein für damalige Zeit erheblicher Betrag, gezahlt werden. Über den Ausgang der Versuche befindet sich nichts bei den Akten. Am 4.2.1916 wurde den Rütgerswerken Berlin das ausschließliche Recht eingeräumt, in der Hondelager Flur nach bituminösem (ölhaltigem) Schiefer zu schürfen. Der Ausgang des ersten Weltkrieges verhinderte offenbar eine Fortsetzung der ersten Versuche.
Die Arbeit für die Gemeinde wurde ehrenamtlich versehen. Der Vorsteher erhielt lediglich eine Aufwandsentschädigung. Der Pfennig spielte bei allen Abrechnungen noch eine große Rolle. Soweit Vergütungen an Arbeitskräfte gezahlt wurden, waren sie sehr bescheiden. Der Stundenlohn betrug im Jahre 1891 M 0,25; im Jahre 1916 wurde er von M 0,30 auf 0,35 bis 0,40 M, im Jahre 1919 auf M 0,60 und im Jahre 1929 auf M 0,85 erhöht. Den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zahlte man um 1900 M 0,50 bei einem Alarm und M 1,0 bei einem Einsatz. Im Gegensatz dazu wurde ein zweimaliges unentschuldigtes Fehlen bei Gemeinderatssitzungen bereits im Jahre 1900 mit M 10,- für die Armenkasse bestraft.
Bestimmte gemeindliche Dienste, wie das Fahren der Feuerspritze und des Wasser und Mannschaftswagens, das Glockenläuten, das Bälgetreten, das Austragen von Bekanntmachungen, ferner die Tätigkeit des Nachtwächters und Feldhüters, aber auch die Ausgabe eines Mittagessens an Ortsarme, wurden verpachtet. Den Zuschlag erhielt derjenige, der das billigste Gebot abgab. Es ist interessant, daß man in der Inflationszeit eine Art wertbeständige Vergütung vornahm. So wurde 1923 das Reinigen von Feuerschläuchen und Feuerspritzen durch die Grasnutzung des Tränkeweges und der Tränke selbst vergütet, und im folgenden Jahr erfolgte eine ähnliche Regelung für das Austragen von Bekanntmachungen. Der Mietwert einer Durchschnittswohnung betrug M 200 jährlich, eine Wohnung im Gemeindehaus kostete M 60, im Jahr, für eine Einzelstube wurde M 1 pro Woche berechnet Auf der anderen Seite betrugen die Pachtpreise pro Morgen Ackerland bereits M 15 bzw. für eine Wiese M 20. Seit dem Jahre 1898 beschäftigte der Bau der sog. Schuntertalbahn wiederholt den Gemeinderat.
Damals sollten von den beteiligten Gemeinden M 80 000 aufgebracht werden. Auf Hondelage entfielen M 11 000, die angeliehen und durch jährliche Abtragung amortisiert werden sollten. Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag nach langen Überlegungen schließlich zu. Nach der Inflation im Jahre 1926 war noch eine Schuld von M 4819,13 vorhanden. Im Jahre 1907 lehnte man die Einrichtung eines Spielplatzes auf der Beekwiese als für ländliche Verhältnisse unnötig ab. Im Jahre 1909 wurde auch die Errichtung einer Fortbildungsschule zurückgestellt; man wollte abwarten, bis ein gesetzlicher Zwang bestand. Auch die Kanalisierung der Dorfstraße wurde im gleichen Jahr abgelehnt. Im Jahre 1911 wurde ein Neubau der Schule überlegt. Man begnügte sich aber mit dem Bau eines Klassenzimmers, der Preis betrug M 8400. Im folgenden Jahr wurden neue Bänke für die Schule beschafft. Tischlermeister Otto Wadsack lieferte sie zu M 36,50 das Stück.
Die Beendigung des ersten Weltkrieges schuf neue Probleme. Es mußten Wohnungen beschafft werden, und die ersten Beschlagnahmungen wurden verfügt. Zum Schutz der Feldfrüchte mußte ein Feldschutz errichtet werden, für den Notfall war dabei der Einsatz von Sturmglocken vorgesehen. Später in der Zeit der Wirtschaftskrise wurden Notstandsarbeiten der verschiedensten Art durchgeführt, um die im Dorfe vorhandenen Arbeitslosen zu beschäftigen. Im Jahre 1928 lehnte man eine Gasversorgung ab, das elektrische Ortsnetz wurde aber auf Kupferleitungen umgebaut. Nach langem Zögern führte man 1932 eine Bürgersteuer ein, und im folgenden Jahr trennte man das Schul- und Kirchenvermögen.
Über das "Dritte Reich" steht wenig in den Gemeinderatsprotokollen. Im Jahre 1935 wurde eine neue Hauptsatzung beschlossen. Außerdem wurde die Gemeinde Mitglied der Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen und der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Braunschweig-Land. Die Ost-Westautobahn Berlin-Köln wurde quer durch den Südteil des Gemeindebezirks gelegt, und Hondelage erhielt an der Abfahrt Braunschweig-Ost einen nahegelegenen Anschluss. Im Jahre 1938 wurde ein Laden am Backhaus angebaut. Die Kosten beliefen sich auf RM 4475,43. Der Haushalt der Gemeinde betrug noch 1939 wenig mehr als RM 20 000. Dabei war sogar ein kleiner Überschuss vorhanden. Gemeinderatssitzungen wurden nur selten anberaumt, es wurde offenbar nach dem "Führerprinzip" entschieden. Im Jahre 1945 klafft zwischen dem 29.4. und 11.11. eine Lücke: In dieser Zeit erfolgte die Besetzung des Dorfes zunächst durch amerikanische und später durch englische Truppen.
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