Zwei Wappen derer zu Hondelage
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Die Chronik des Dorfes Hondelage
Die online-Ausgabe der 1975 gedruckten Fassung von Gerhard Bothe und Alfred W. Bertram.
Hondelage im 16. und 17. Jahrhundert

Die Kapitulationsbeschreibungen von 1663, 1672, 1678 und 1687

Bei einem Versuch, die Entwicklung Hondelages im 17. Jahrhundert darzustellen, darf man nicht die Auswirkungen außer acht lassen, die der 30 jährige Krieg überall im norddeutschen Raum gezeigt hat. Zusammenfassende Darstellungen über das Schicksal des Dorfes während dieser Zeit sind nicht bekannt und wohl auch nicht vorhanden. Während das im Jahre 1605 aufgestellte Erbregister des Klosters Riddagshausen, das auch Hondelage mit umfaßt, in seiner Einleitung mit bewegenden Worten die Auswirkungen der Reformationskriege und der Kämpfe zwischen den Herzögen und der Stadt Braunschweig schildert, wird der 30jährige Krieg in der 1674 von Johannes Kesselhut "mundierten", ergänzten und erweiterten Abschrift dieses Registers überhaupt nicht erwähnt.

Dasselbe gilt für die jährlichen Abrechnungen, die für die Kirche Hondelage von 1568 - 1641 lückenlos vorliegen, es sei denn, man führe gelegentliche Rückstände bei Zins- und Sachleistungen auf Kriegseinwirkungen zurück. Eine für jeweils ein Jahrzehnt durchgeführte Zusammenstellung der Zahlen der im Kirchenbuch verzeichneten Begräbnisse während der Zeit von 1570 - 1700 zeigt allerdings für das Jahrzehnt von 1620 - 1630 mit 101 Todesfällen die höchste Ziffer während dieses Zeitraumes. Für die gesamte Kriegszeit, d.h. von 1620 - 1650, ergibt sich jedoch ein Durchschnitt, der mit 53 für ein Jahrzehnt nicht unerheblich unter dem Gesamtdurchschnitt von etwa 59 liegt. Die von den Pfarrern 1663 aufgestellten Verzeichnisse der Communicanten, d.h. sämtlicher Einwohner, die über 14 Jahre alt waren, sowie die aufgrund dieser Vorarbeit herausgegebenen Kapitationsbeschreibungen (Kopfsteuerlisten), die für 1663, 1672, 1678 und 1687 vorliegen, lassen erkennen, daß in Hondelage kein wüster Hof vorhanden war und daß die vorhandenen Höfe offenbar auch ordnungsmäßig bewirtschaftet wurden. Die Kopfsteuer, die sog. Capitatio, dürfte zu den ältesten Steuerarten zählen.

Sie war eine Abgabe, die von allen Personen "ob sie schon nichts an Gütern besitzen, eingefordert und nach dem Zustande und Nahrung eines jeden - wir würden heute sagen: nach sozialen Gesichtspunkten -eingerichtet ist". Während für das Jahr 1663 mit 165 nur die Zahl der Steuerpflichtigen genannt ist, sind in den folgenden Listen die Steuerbeträge aufgeführt, die für die einzelnen Personengruppen unterschiedlich hoch waren. Den höchsten Betrag zahlten 1672 der Hofmeister "auf der Frau Äbtin Tuckermann Hofe" und der Krüger Hermann Telge mit je 2 Talern. Dann kamen die 4 Handwerker (Schneider, Leineweber und Zimmermann) mit je 1 Taler, während die Bauern einheitlich für sich 18 Gr., für ihre Frau 9 Gr. zu entrichten hatten.

Die Beträge für Kinder und Mägde lagen ebenfalls im allgemeinen bei 9 Gr., für Knechte bei 24 Gr. Hirten und Häuslinge zahlten wesentlich geringere Beträge. Das Aufkommen belief sich auf 48 Taler, 34 Gr. und 4 Pfg. Im Jahre 1678 wurden die Sätze weiter differenziert und im ganzen etwas angehoben. Das Steuersoll betrug 50 Taler, 16 Gr. und 4 Pfg. und wurde voll bezahlt. Für das Jahr 1687 wurden der Steuersatz erheblich gesenkt, die Erhebung vereinfacht und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit stärker berücksichtigt. Ackerleute zahlten beispielsweise 8 Groschen, Halbspanner 4 Groschen und Kotsassen 2 Groschen. Die Höchstbesteuerten waren der Holzvoigt (Förster) des Klosters mit 20 Groschen und der Krüger mit 8 Groschen.

Das Aufkommen betrug in diesem Jahr insgesamt 15 Taler 19 Groschen 4 Pfg. Die Kopfsteuerlisten sind eine bedeutsame Quelle für familienkundliche Forschungen und für die Geschichte der Reihehöfe. Sie lassen erkennen, daß die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges offenbar überwunden waren.

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