Wüstungen im Hondelager Raum
In den unruhigen Zeiten des späten Mittelalters bot die kleine Burg den Dorfbewohnern sicherlich einen gewissen Schutz, der den Nachbarorten fehlte. Dazu kam, daß die Landbevölkerung damals allgemein durch Epidemien, durch Auswanderung nach dem Osten oder die sog. Landflucht zahlenmäßig zurückging. Diesen Umständen ist es vermutlich zuzuschreiben, daß die Bewohner einiger benachbarter Siedlungen ihre Wohnstätten aufgaben und sich in Hondelage ansiedelten. Die Zahl dieser wüst gewordenen Orte, der sog. "Wüstungen", ist gerade im Hondelager Raum verhältnismäßig groß. So gab es im Westen die Siedlung Schachthorst, die bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts mehrfach urkundlich bezeugt ist. An die Wassermühle des Ortes erinnert noch heute der Mühlenkamp. Die Siedlung wurde bereits Anfang des 14. Jahrhunderts wüst und die Flur z. T. wieder Wald. Dicht dabei und vielleicht teilweise auf der alten Flur von Schachthorst lagen die Siedlungen "Klein-Hondelage" (1437 Lütteken Honlege) und "Dat nige Dorp". Die Gewannen "Auf der Schachthorst", "im Hagen", "Neddernkamp" und "Das neue Dorf", unmittelbar am Schunterufer gelegen, kamen bei der Aufgabe der Siedlungen möglicherweise zur Hondelager Flur.
Gegenüber dem Borwall bei Dibbesdorf befand sich ebenfalls am rechten Schunterufer Harderode, das zum Amt Neubrück gehörte und bereits 1161 zum ersten Mal erwähnt wird, aber schon knapp 200 Jahre später wüst war. Im Jahre 1325 wurde es als "villa deserta" bezeichnet, 1345 aber noch einmal erwähnt. Im Urkundenbuch der Stadt Braunschweig (11,397) wird bemerkt, daß Harderode bei Hondelage gelegen hat. Die Vermutung von Gäbler, daß es sich dabei um "Das neue Dorf" gehandelt haben könnte, dürfte aber abwegig sein. Dagegen ist der Auffassung zuzustimmen, daß die Flur des Dorfes teils zu Querum, teils zu Dibbesdorf und teils zu Hondelage gekommen und dabei zum Teil wieder in Anger und Gehölz umgewandelt ist. Zu der Dorfflur gehörten vielleicht der "Gieseberg", der "Bruchkamp" und der "Ochsenkulk". Im Laufe der Zeit sind dann wahrscheinlich die zwischen den Flurstücken von Hondelage einerseits und diesen Wüstungen andererseits liegenden großen Gewannen "Acker am Stadtweg" und "Obernkamp" in die Bewirtschaftung einbezogen, so daß sich die Feldflur Hondelages erheblich vergrößerte.
Ähnlich ging die Entwicklung auch im Norden und Osten. Am sog. Schweineweg finden wir zwischen der Mönchepiene und dem Gr. Mastbruch die Wüstung Meuerode, nach Hahne (S. 45) eine Rodungssiedlung des 9. Jahrhunderts. Zu der kleinen Siedlung gehörten vermutlich die Gewannen Meuerode und Mehlkamp. Auch in diesem Fall wird die zwischen den Fluren von Hondelage und Meuerode liegende große Gewanne "Auf dem Wiesenkley" später der Ackerflur des Dorfes zugeschlagen sein. Ob ostwärts von Meuerode an der Hagenriede ebenfalls eine Wüstung Wolfshagen zu suchen ist, ist bisher urkundlich nicht belegt. Hahne vermutet hier eine Rodung aus dem 10. bis 11. Jahrhundert. Diese Annahme erhält dadurch Unterstützung, daß vor kurzem beim Pflügen Mauerreste gefunden wurden, die noch nicht untersucht sind. Der Umstand, daß in den Karten des 18. Jahrhunderts in der Flur Wolfshagen keine Ackerflächen verzeichnet sind, dürfte nicht von entscheidender Bedeutung sein. Ackerflur und Wald wechselten bis in das 19. Jahrhundert nicht selten. Nördlich des Wolfshagen sind im Walde - etwa an der Stelle, an der im Meßtischblatt die Wüstung Hägerdorf angeführt ist an einem Bachlauf noch heute 2 rechteckige Vertiefungen zu erkennen, in denen möglicherweise Gebäude gestanden haben. Vielleicht handelt es sich dabei um einen wiederholt erwähnten Einzelhof.
Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Hondelager Flur und der baulichen Gestaltung des Ortes hat Hägerdorf gespielt, heute eine Wüstung am Nordrande der Hondelager Feldmark, deren Name in der Flurbezeichnung "Anger auf dem Hägerdorfe" noch erhalten ist. Die Vereinigung der beiden Orte im Jahre 1553 ist uns näher bekannt. Hägerdorf wird nach Kleinau erstmalig im Jahre 1307 als "Hegerdorp" urkundlich erwähnt. Spätere Bezeichnungen sind 1377 to dem Hegherdorpe, 1461 bi dem Hegersdorppe, 1505 "wöste dorpstede genannt Hegerdorpe by Honleue", 1665 Hegerdorff und 1756 Hägersdorff. Scherbenfunde weisen auf das 13.-15. Jahrhundert hin. Das Dorf war eine Gründung der Herren von Honlage "nach dem Hägerrecht" und im Gegensatz zu Hondelage, das herzogliches Lehen war, offenbar "eigenes freies Erbgut". Die Genehmigung zur Veräußerung im Jahre 1510 an das Kloster Riddagshausen erteilte der Herzog als Landesherr. Zu der Hägerdorfer Flur gehörten vermutlich die Koly, der Heinenkamp, der Kirchenkamp und der Lange Kamp. Auf dem Hägerdorfsanger, der wieder bewaldet ist, sind heute noch Hochäcker als Teile der alten Feldflur zu erkennen.
In einer im Jahre 1786 angefertigten Kopie der Charte von dem Dorfe und der Feldmark Hondelage" aus dem Jahre 1756 ist die Hägerdorfer Kapelle nachträglich eingezeichnet. Sie befand sich am Westrande des Hägerdorfangers, die Stelle ist noch heute im Gelände zu erkennen.
oben