Das Dorf und die Entwicklung seiner Flur
Anlage und Form des alten Dorfes sind uns nicht bekannt. Nach den ersten OrtspIänen des 18. Jahrhunderts kann jedoch vermutet werden, daß Hondelage ursprünglich ein Sackgassendorf war. In dem Lindenberg war ein zentraler Platz mit nur einem Zugang vorhanden, der zweite Ausgang aus dem Dorfe war ein Feldweg (Gäbler, S. 49). Später war der Ort jedoch eindeutig ein Haufendorf, d.h. die Gehöfte mit Wohnstätten und Gärten hatten zwar einen nachbarlichen Zusammenhang, waren aber unregelmäßig angelegt. Vermutlich herrschte das sog. sächsische Haus vor, das heute nur noch in einigen wenigen Exemplaren vorhanden ist (Abb.).
Später setzte sich eindeutig das thüringische Haus durch (Abb.), das zwar zunächst auch Wohnräume, Stallungen und Scheune unter einem Dach vereinigte, jedoch für jeden Teil einen besonderen Eingang und 2 Feuerstellen - den Ofen in der Stube und den Herd auf dem Flur - besaß. Über die Entwicklung des Dorfes im späten Mittelalter 'ist uns nur wenig bekannt. Allerdings sind einige Urkunden aus dieser Zeit vorhanden, die jedoch für die Siedlungsgeschichte oder die Flurnamen nur seiten etwas aussagen. Für die Zeit von 1374-1509 lassen sich aus dem "Copialbuch des Klosters Riddagshausen", in dem alle Verschreibungen von Höfen, Gärten, Wiesen, Fischereien sowie die Verleihungen von Pfarren eingetragen sind, auch für Hondelage gewisse Einzelheiten ersehen. Diese Dokumentensammlung ist aber erst im Jahre 1696 verfaßt. Das schwierige Studium der alten Handschriften wird durch die sog. Dürre'schen Regesten von Riddagshausen erleichtert.
Da Urkunden oder Karten aus der ältesten Zeit nicht zur Verfügung stehen und auch die Bodenfunde nur sehr bedingt Schlüsse zulassen, läßt sich die Entwicklung der Hondelager Feldmark nur etwa vom Ende des 16. Jahrhunderts ab verfolgen. Nach Bornstedt (Chronik von Stöckheim, S. 63) sind Lage, Bodenbeschaffenheit und nicht zuletzt die alten Flurnamen wichtige Hilfsmittel, um zunächst die Kernflur eines Ortes zu bestimmen, d.h. die Ackerflur, die von den ersten Ansiedlern unter den Pflug genommen wurde. Neben dem Erbregister des Klosters Riddagshausen von 1605 kommen für eine Beurteilung in erster Linie die beiden "Charte von des Closters Riddagshausen Dorffes Hondelage von 1732 und 1739" sowie die "Charte von dem Dorffe und der Feldmark" Hondelage der Generallandvermessung von 1756 als Ausgangspunkt in Betracht. Dabei ist für Hondelage zu berücksichtigen, daß die Dorfflur zu dieser Zeit durch die Ackerflächen einiger im späten Mittelalter wüst gewordener Orte bereits eine erhebliche Ausweitung erfahren hatte.
Wenn man die Karte von 1756 zugrundelegt, liegt die Vermutung nahe, daß die Gewannen "In den Ackern", "Auf dem Berge", die "Hagenriede" und vielleicht auch Hinter dem Berge" und "Teichfeld", die sämtlich in der Nähe der kleinen Erhöhung liegen, auf dem die Burg stand, die Kernflur des alten Dorfes mit seinen 30 Höfen gebildet haben. Dazu traten dann später einige offenbar neugerodete "Kämpe" (Rottacker) sowie die Fluren oder Teile der Feldmark wüst gewordener Orte mit angrenzenden Ackerflächen, und schließlich wurde die Ackerflur des Dorfes im 19. Jahrhundert erheblich vergrößert. Einmal wurden durch die Trockenlegung der beiden im Nordosten der Feldmark gelegenen Teiche im Jahre 1810 fast 90 Morgen Ackerland gewonnen; außerdem erhielt Hondelage bei der Ablösung der Huderechte Teile der Forstorte Wendhausen und Hondelage sowie einiger Privatforsten, insgesamt mehr als 500 Morgen. Näheres darüber wird später zu sagen sein.
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