Ortsnamen als Anhaltspunkte für das Alter eines Gemeinwesens
Die Entstehung der älteren Orte läßt sich in unserer engeren Heimat nur selten urkundlich nachweisen. Eine Ausnahme bildet Lehre, ein nach Hahne wichtiger Archidiakonatsplatz des Bistums Halberstadt und seit der Karolingerzeit Sitz eines Forstamtes, das nach Kleinau bereits im Jahre 830 im Urkundenbuch des Klosters Fulda als "Lerin" und im Jahre 888 als "Leri" (vermutlich leer = waldfrei) erwähnt ist. Zu den frühesten Gründungen in unserem Raum, d.h. etwa in der Zeit vom 4.- 6. Jahrhundert gehören Ortsbezeichnungen mit den Endungen "-heim" oder "-stedt", die jedoch verhältnismäßig selten sind.
Querum (Quernheim), Waggum (Wegghem) und Essehof (Edesseim) dürften deshalb die ältesten Orte unserer engeren Heimat sein. Später, d.h. etwa vom 7. - 8.Jahrhundert,- und zu dieser Gruppe zählen auch Orte mit der Endung "-Ja" oder "-lage", wie Hondelage (Honlage), Schandelah (Sconleghe), Langeleben (Langelage) -wurden auch freie Stellen in Wäldern in die Bewirtschaftung einbezogen, und schließlich, als die Bevölkerung weiter zu nahm - das war insbesondere nach der Unterwerfung der Sachsen durch die Franken der Fall -, rodete man den Wald selbst, um neues Ackerland zu gewinnen.
In dieser Periode - etwa vom 8. - 9. Jahrhundert ab - entstanden die Orte mit der Endung "-rode", beispielsweise in unserer engeren Heimat Bevenrode, Bienrode, Brunsrode, Gliesmarode oder Volkmarode. Für unsere Gegend sind weiter noch Orte mit der Endung "-hausen" - wie Wendhausen, Riddagshausen von Interesse, die ebenfalls in der fränkischen Zeit, aber wohl später als die "-rode"-Dörfer, entstanden sind. Sie bezeichnen im allgemeinen die Gründungen von Rittern. Auch Orte mit der Endung "-dorf" - wie Hegerdorf, Dibbesdorf, Flechtorf oder Hordorf gehören dieser späteren Zeit an.
Bodenfunde (Mauerreste, Scherben u. a.), Flurnamen, aber auch eine mündliche Überlieferung ergänzen und bestätigen die Rückschlüsse, die aus der Bezeichnung einer Ortschaft gezogen werden können, selbst wenn ein urkundlicher Nachweis erst sehr viel später möglich ist.
oben