Zwei Wappen derer zu Hondelage
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Die Chronik des Dorfes Hondelage
Die online-Ausgabe der 1975 gedruckten Fassung von Gerhard Bothe und Alfred W. Bertram.
Vor- und Frühgeschichte

Bodenfunde

Die Grenzen zwischen schriftlichen oder mündlichen Überlieferungen geschichtlicher Vorgänge einerseits und den Erkenntnissen, die uns Ausgrabungen oder Bodenmerkmale über frühere Menschengeschlechter und die Spuren ihrer Tätigkeit andererseits vermitteln, sind natürlich von Volk zu Volk zeitlich sehr verschieden. Im norddeutschen Raum sind die Bodenfunde im Regelfall die einzige Quelle für die Vor- oder Frühgeschichte eines Ortes oder Raumes.

In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit unterscheidet man gemeinhin die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit. Die älteste und zugleich längste Periode, die Steinzeit, wird wieder unterteilt in die Altsteinzeit, die mittlere Steinzeit und die Jungsteinzeit. Wie häufig im norddeutschen Raum sind auch in der Hondelager Feldmark Geräte und Abfallprodukte aus Feuerstein gefunden. Feuerstein, der sehr leicht in scharfkantige Stück zersprengt werden kann, war vermutlich der älteste und wohl auch der am meisten verwandte Werkstoff, den Menschen der Steinzeit bearbeitet haben. So befinden sich im Braunschweigischen Landesmuseum, Abteilung Vor- und Frühgeschichte zu Wolfenbüttel sog. Artefakte, das sind steinzeitliche Geräte aus der Hondelager Flur, allerdings ohne nähere Fundangabe. Sie lassen den Schluß zu, daß sich schon in der Altsteinzeit, d.h. vor mehr als 10000 Jahren, Menschen in unserer Gegend aufgehalten haben.

Am Gieseberg sind mehrere hundert Abschläge und Geräte aus Feuerstein wie Klingen, Pfeilspitzen, Kernsteine u. a. gefunden. Einige dieser Stücke sind geglüht, d.h. sie haben im Feuer gelegen. Deshalb dürfte die Vermutung gerechtfertigt sein, daß sich dort ein Werkplatz, eine "Feuersteinschlagstätte", und damit eine Niederlassung von Menschen der mittleren Steinzeit (etwa vom Jahre 8000 - 4000 v. Chr.) befunden hat.

Schließlich befinden sich im Wolfenbütteler Museum 2 Äxte aus der Jungsteinzeit (etwa vom Jahre 4000 - 1800 v. Chr.) (Abb.), die aus der Hondelager Feldmark stammen. Der nähere Fundort des einen Exemplares ist nicht bekannt, das zweite Beil wurde aber von Herrn Richard Telge im Jahre 1972 auf seinem Acker am "Roten Winkel" gefunden.

Es wäre sicherlich verfehlt, einen Zusammenhang zwischen diesen Fundstücken, die Jahrtausende auseinander liegen, zu vermuten, oder anzunehmen, daß ununterbrochen Menschen in unserem Raum gewohnt haben. Es dürfte auch nicht auszuschließen sein, daß die Steinbeile von Jägern stammen, die sie im Kampf mit Menschen oder wilden Tieren im prähistorischen Urwald verloren haben. Trotzdem sind diese Funde ein Beweis, daß sich Menschen in der Vor- und Frühzeit in der Hondelager Feldmark aufgehalten haben.

Aus späterer Zeit sind noch Scherben zu erwähnen, die ebenfalls vom Gieseberg stammen und als Bruchstücke von mittelalterlichen Gefäßen, z. B. als Ränder von Kugeltöpfen aus Ton gedeutet sind. Da es sich um verhältnismäßig wenige Stücke handelt, ist eine zeitliche Dotierung schwierig. Die meisten Scherben dürften aus dem 13. und 14. Jahrhundert n. Chr. stammen, einige andere sind mit Sicherheit älter, ohne daß das genaue Alter dieser Kugeltöpfe bestimmt werden kann. Auch in der Wüstung Hägerdorf sind Scherben aus dem 13. - 15. Jahrhundert nachgewiesen.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß Ammoniten und andere Versteinerungen häufig in der Hondelager Feldmark gefunden sind und noch heute gelegentlich gefunden werden. Besonderes Interesse dürfte aber ein sog. Krokodilierskelett finden, das im Jahre 1956 in der Mergelkuhle am Nordrand der Hondelager Flur geborgen wurde. Nach mehrfachen Knochenfunden wurde damals eine Grabung angesetzt, und schon in einer Tiefe von 20 - 40 cm stieß man auf ein relativ gut erhaltenes Skelett von etwa 2 m Länge, das wissenschaftlich als "Steneosaurus aff. bollensis" bezeichnet wurde. Es befindet sich heute im Institut für Geologie und Paläontologie der Technischen Universität Braunschweig. Außerdem sind in der Mergelkuhle später auch Skelettteile eines Ichthyosaurus gefunden.

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