Die Lage im Verkehrsnetz
Die Verkehrslage des Hondelager Raumes im Mittelalter ist nicht eindeutig zu bestimmen. Nach Hahne (S. 48) zog eine bedeutende Straße von Braunschweig über Querum und Hondelage nach Nordosten. Sie überschritt bei dem "Borwall" in der "Ziegenfurt" die Schunter und führte vorbei an der "Schachthorst", dem Sydekum" und dem Neuen Dorfe" nach Hondelage und von dort an der Hohen Stätte" vorüber, bis sie bei der "Hurenburg" die hannoversche Grenze erreichte. Borwall, Ziegenfurt, Sydekum, Schachthorst und Hohe Stätte sind heute noch bekannte Flurnamen, so daß sich der Verlauf der Strecke verfolgen läßt. Von neueren Forschern wird die Existenz dieser Straße, die urkundlich nicht belegt ist, angezweifelt, um so mehr, als die große Straßenverbindung von Braunschweig über Dibbesdorf, Lehre, Flechtorf, Campen nach dem Norden schon frühzeitig bekannt und nachgewiesen ist. Bei den engen Bindungen der Herren von Honlage einmal an die Stadt Braunschweig und zum anderen an ihre Siedlung Hägerdorf haben sicherlich zu diesen Orten häufig benutzte Wege bestanden. Es dürfte deshalb nur zweifelhaft sein, ob es sich bei der Straße Braunschweig-Hondelage-Hägerdorf um eine Verbindung von nur lokaler Bedeutung oder um das Teilstück einer Fernverbindung gehandelt hat. In der von der Historischen Kommission für Niedersachsen herausgegebenen Karte des Landes Braunschweig im 18. Jahrhundert" ist der Verlauf der alten Straße nördlich des Dorfes Hondelage noch angedeutet. Sie ist bei der Flurbereinigung im 19. Jahrhundert verschwunden und durch neue Straßenzüge - etwa den Schweineweg oder den Mastbruchweg - ersetzt (Abb. siehe Bildteil).
An die Dichte des Straßennetzes konnte man bis weit in das 19. Jahrhundert hinein keine besonderen Ansprüche stellen. Nach einem "Verzeichnis ...der Wege, welche... als Landstraßen anzusehen sind" vom 7. März 1842 gab es von Hondelage aus folgende Verbindungen:
1.
nach Wendhausen östlich durch das Moor. Im Jahre 1821 wird im Zuge dieser Straße eine Brücke über die Schunter erwähnt,
2.
nach Bevenrode über den Dorfanger, nordwestlich durch Opferholz und Heinenholz, offenbar ein Teilstück der alten Verbindung nach Hägerdorf,
3.
nach Waggum zwischen dem Ackerfelde und dem Wüsten Klei durch das Siekbruch, vermutlich zum großen Teil die heute noch vorhandene Kreisstraße und
4.
nach Braunschweig über Querum zwischen Ziegenförth und Tannenriede durch den Gettelhagen. Dabei handelt es sich weitgehend um die alte von Hahne erwähnte "bedeutende Straße". Sie ist als einzige Straßenverbindung in die bei der Generallandvermessung von 1756 gezeichnete Karte der Hondelager Flur aufgenommen. Es fällt auf, daß nach dem nächsten Orte Dibbesdorf noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts keine Landstraßenverbindung bestand. Offenbar war nur ein Feldweg vorhanden, über die Schunter führte ein Steg. Als dieser Steg im Jahre 1822 repariert werden mußte, lehnte es die Gemeinde Dibbesdorf ab, sich an den Kosten, die 24 Taler, 22 g Groschen und 8 Pfennig betrugen, zu beteiligen, da der Steg "ursprünglich zu dem Vorteil der Gemeinde Hondelage angelegt" sei. Das Kreisgericht Riddagshausen erkannte diesen Einwand an. Sehr eng können die Beziehungen zwischen den beiden Dörfern deshalb damals nicht gewesen sein.
Außer diesem Steg führten zwei weitere Fußgängerbrücken im Bereiche der Dorfflur über die Schunter, einmal der noch vor wenigen Jahren vorhandene Steg am Ausgang der Trift zwischen den Höfen ass. Nr. 22 und 23 an der späteren Pferdeschwemme, die als Furt benutzt wurde, und zum anderen in der Gegend des Borwalles, ebenfalls neben der dort vorhandenen Furt, durch die der Weg nach Braunschweig führte. Über die sog. "Pastorenbrücke", die im Frühjahr auf- und im Herbst wieder abgebaut wurde, wird später berichtet werden.
Bei dem schlechten Zustand der Straßen bis weit in das 19. Jahrhundert hinein kam dem Wasserweg eine besondere Bedeutung zu. Es dürfte deshalb von Interesse sein, daß die Schunter etwa vom Jahre 1746 ab in erheblichem Umfang zum Transport von Bau- und Brennholz von Campen nach Braunschweig genutzt wurde. Wenige Jahre später wurde der Versuch gemacht, nach einer Räumung des Flußbettes und einer Abdämmung der Seitenarme den Flößereibetrieb durch einen Schiffsverkehr zum Transport von Baumaterial zu ergänzen und die Schunter durch einen Kanal von Querum über Gliesmarode nach Braunschweig mit der Oker zu verbinden. Es ist aus den Unterlagen nicht zu erkennen, ob und inwieweit Hondelage bei diesen Plänen berücksichtigt wurde; bei Wendhausen und Querum waren jedoch Schleusen errichtet. Der Schiffsverkehr wurde bereits 1788 eingestellt, und der Flößereibetrieb kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts ebenfalls zum Erliegen (Müller, S. 151 ff.).
Durch die Eröffnung der Bahnlinie Braunschweig-Fallersleben - der sog. Schuntertalbahn - im Jahre 1902 wurde die Verkehrslage des Ortes erheblich verbessert. Hondelage erhielt mit dem Nachbarort Dibbesdorf einen gemeinsamen Personen- und Güterbahnhof. Für den großen Pendelverkehr nach Braunschweig und Wolfsburg hat jedoch der Omnibus heute die größere Bedeutung erreicht. An Werktagen verkehren nach Braunschweig 12 Zugpaare und 14 Bahnbusverbindungen. Die öffentlichen Verkehrsverbindungen an Sonntagen und in den Abendstunden sind jedoch unzureichend. Hondelage erhofft sich von der Eingemeindung nach Braunschweig eine bessere und unmittelbare Anbindung an das städtische Verkehrsnetz. An den Fernverkehr auf der Straße ist Hondelage über die Abfahrt Braunschweig-Ost an das Autobahnnetz und über 2 Kreisstraßen in Dibbesdorf und Wendhausen an die Bundesstraße 248 angeschlossen.